Alpinausbildner Eiskurs

Alpinausbildner Eiskurs auf der Wiesbadner Hütte

Vom 23. bis zum 26. August 2018 absolvierten eine Alpinausbildner-Anwärterin, Daniela Barale von der deutschen Bergwacht als willkommener Gast und 19 Alpinausbildner-Anwärter den Alpinausbildner Eiskurs unter der professionellen Anleitung von fünf Ausbildnern auf der Wiesbadner Hütte. Die Kursleiter Dr. Bernhard Frei und Ing. Daniel Tschol zeigten sich am Ende des Kurses mit der enormen Lernkurve der Alpinausbildner-Anwärter sehr zufrieden.

Einer der heißesten Sommer seit langem aber ausgerechnet am Wochenende des Eiskurses wurde es nass und kalt. Auf der Bieler Höhe versammelten sich am Donnerstagnachmittag trotzdem pünktlich die zukünftigen Ausbildner im leisen Nieselregen hinter einem im grauen Nebelschleier verschwindenden Stausee. Der Hüttenwirt bat uns, nur mit einem Auto zur Hütte hoch zu fahren. So wurde der Dachträger des Landesleitungs-Defenders mit 28 Taschen und Rucksäcken, Seilen, Silvretta-Winsch und Dreibein vollgetürmt, sodass man meinen konnte, im hintersten Pakistan auf Expeditionsreise zu sein.

Nachdem sich die Gruppe auf der Hütte wieder in trockene Kleider gewickelt und gestärkt hatte, führte der Kursleiter Dr. Bernhard Frei durch das bevorstehende Programm und erläuterte den didaktischen Aufbau des Ausbildungs-Wochenendes. In Kleingruppen aufgeteilt begannen die AnwärterInnen ihre Präsentationsübung vorzubereiten. Die Hüttenruhe um Punkt 22:00 Uhr beendete einen Tag des Wiedersehens mit lieb gewordenen Freunden.

Der Freitag widmete sich dem professionellen Lehrauftrag der zukünftigen Ausbildner. In sorgfältig vorbereiteten Lehrauftritten in Kleingruppen bewiesen die Kursteilnehmenden, wie sie einen Heimabend in der Ortsstelle, einen Anwärter- oder Gebietsstellenkurs oder einen Kurs auf Landesebene vorbereiten, wie sie Wissenstransfer maximieren und Lerneffekt nachhaltig sicherstellen werden: Unterteilt in sechs Gruppen erarbeiteten kleine Teams Themenparks, wie "Gehtechnik im Eis und Standplatzbau", "Selbstrettung mittels Prusik- und Münchhausentechnik", "Kameradenrettung mit Seilrollenflaschenzug und Seilrolle", "Spaltenbergung mit Silvrettawinch" und "Spaltenbergung mit Dreibein und Mannschaftszug". Begleitet von einem straffen Zeitplan bewerteten anschließend alle Teilnehmer Station um Station und ließen sich von den jeweiligen Pendants ihre Demonstrationstechnik, den Aufbau der Station und die Details der Rettungstechnik dazu erklären. Im Mittelpunkt stand dabei das zu erarbeitende Thema und die passende Platzwahl einerseits, sowie die Präsentation und die Wissensvermittlung andererseits; eben jene Arbeitsschritte, die die angehenden Lehrenden in ihrer zukünftigen Tätigkeit stets begleiten werden.

Während der Fragerunden wurden dennoch technische Detailfragen mitunter leidenschaftlich diskutiert, erörtert, erklärt, verworfen. Die nachfolgende Diskussion über deren Verwendbarkeit in der Ortsstelle im Speziellen und in der Vorarlberger Bergrettung im Allgemeinen unterstrich den großen Lernfortschritt, den sie seit Beginn ihrer Ausbildung bereits hinter sich gelassen hatten und wie sehr sie sich bereits in ihrer Rolle als verantwortungsvolle Lenker in Sachen Materialkunde und Ausbildungsdidaktik wohl fühlen. Die riesige Portion Rindsgulasch mit Petersilien-Kartoffeln lieferte die notwendige Energie, um nach dem Abendessen mit dem anspruchsvollen Programm nahtlos weiter zu fahren: Unser großes Vorbild Rupert Pfefferkorn ist extra zu uns auf die Hütte gefahren, um uns mit unverwechselbarem Elan und Begeisterung die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Landesorganisation und ihren Untiefen zu erläutern.

Das Wetter am Samstagmorgen zeigte sich wie angekündigt: nass und kalt. Die Auszubildenden machten sich auf den Weg zum Gletscher, um an ihrer Kameradenrettungs-Kompetenz zu feilen. Unerwartete blaue Flecken am Himmel verleiteten uns, Piz Buin und Dreiländerspitze zu stürmen. Auf dem Abstieg trübte sich das Wetter stark ein, es begann zu schneien. Da erreichte uns ein Notruf aus dem Tal: ein Teilnehmer einer achtköpfigen tschechischen Gruppe hatte sich am Unterschenkel verletzt und verharrte immobil irgendwo bei 2800m oberhalb des Ochsentaler Gletscher Abbruchs. Die Piz Buin Gruppe unter Kursleiter Ing. Daniel Tschol begann sofort von oberhalb des Abbruchs mit der Suche des Verletzten. Die Gruppe auf dem Vermuntgletscher stieg währenddessen im strömenden Regen zur Hütte ab. Mit weiteren vier Bergrettern aus Partenen, unter der Leitung von Einsatzleiter und Bergführer Jonny Marinac, stürmten sie mit der Schleiftrage und Vakuummatratze bewaffnet über die grüne Kuppe zum Gletscher hoch. Sieben Stunden später erreichten die tschechische Gruppe, der Verletzte und alle Bergretter wohlbehalten wieder die Wiesbadner Hütte. Der Verletzte wurde fachgerecht geschient und abtransportiert.

Das Nachmittagsprogramm war unerwartet zum Ernstfall geworden. Die Auszubildenden haben ihre Feuertaufe mit Bravour bestanden. Jeder Einzelne hat seine Aufgabe routiniert und professionell abgearbeitet und laufend der sich ändernden Bergesituation angepasst: ein Bilderbuch-Rettungseinsatz! Am Sonntag finalisierten die Kursteilnehmenden den letzten Kursabschnitt auf dem Gletscher und beenden somit ihre Ausbildung im Eis. Nach einer abschließenden Feedback-Runde und einem herzhaften Schnitzel machten sich alle Teilnehmer auf die Heimreise und freuen sich schon auf ein Wiedersehen auf dem Winterkurs im Januar.

Bericht: Dr. Bernhard Frei