Vorarlberger über die man spricht

Einer der den Schnee liest

Christian Thöny trägt als Obmann der Bergrettung und Lawinenkommission viel Verantwortung. Er ist in Sachen Schnee und Lawinen ein Experte.

Heute beginnt das Skitouren-Festival „Montafon Ramskull 2017“ in Gargellen. Im Zuge der Veranstaltung, die heuer erstmals auf drei Tage ausgeweitet wurde, finden Vorträge statt, bieten Bergführer Skitouren an, zeigen Firmen ihre Produkte her. Vor allem aber wird die „Ramskull Trophy“ ausgetragen, ein Rennen, an dem rund 120 Skibergsteiger teilnehmen und das quer durch das Skigebiet führt. Besonders hart wird der Bewerb für die Profis. Sie müssen 1900 Höhenmeter und 17 Kilometer zurücklegen und zudem einen Klettersteig überwinden. „Diese Veranstaltung passt in den Ort. Denn Gargellen ist ein idealer Ausgangspunkt für Skitouren. Man kann vom Auto aus weglaufen und wieder direkt zum Auto fahren“, nennt Christian Thöny, Obmann der Gargellner Bergrettung und Lawinenkommission, einen der Gründe, warum Gargellen ein Eldorado für Skitourengeher ist. Aber es gibt noch andere. „Unsere Urlaubsgäste haben das Tourenparadies für sich entdeckt, und gerade die sind natürlich für uns sehr wichtig. In Zukunft wollen wir ihnen sogar eigene Aufstiegsrouten ins Skigebiet anbieten.“ Thöny’s Part an dem Rennen ist die Sicherung des Klettersteigs – der Gargellner ist für die Sicherheit der Teilnehmer verantwortlich. Thöny ist keiner, der die Verantwortung scheut. Seit vielen Jahren ist der Hotelier für die Sicherheit im Skigebiet, im Ort und für die Zufahrtsstraße verantwortlich. „Da hängt mein Herzblut dran. Ich bin gerne für die Menschen da.“

Dass er zum Schnee- und Lawinenexperten wurde, hängt mit seiner Sozialisation zusammen. „Ich bin quasi im Schnee aufgewachsen.“ Sein Vater bewirtschaftete das Restaurant auf dem Schaerg. „Jeden Tag nach der Schule habe ich die Skier gepackt und bin mit der Bahn zu ihm hinaufgefahren.“ Seine erste Skitour machte Thöny mit sechs Jahren – mit seinem väterlichen Freund Sepp Braunger. „Sepp war mein Lehrmeister. Er zeigte mir, wie man den Schnee liest.“ Auf Anraten Braungers wurde Thöny Obmann der Lawinenkommission. „Er sagte zu mir: ,Du musst das machen. Es hat sonst keiner so ein Geühl für den Schnee wie du`“, erinnert sich Thöny. Der 49-Jährige, der im Skigebiet auch Lawinen sprengt, verlässt sich bei der Beurteilung der Lage vor allem auf sein Bauchgeühl und seinen Hausverstand. „Aber man hat nie ausgelernt. Du wirst immer wieder überrascht. Die Natur macht, was sie will.“ Das wurde ihm 1999 vor Augen geführt. „Damals machte es innerhalb von 48 Stunden zweieinhalb Meter Schnee her.“ Als eine Lawine das Schaerghüsli wegriss, glaubte er es zuerst gar nicht.

Zur Person
  • Geboren: 5. April 1967
  • Ausbildung: Touristikkaufmann
  • Familie: ledig
  • Hobbies: Natur, Klettern, Wandern
Vorarlberger Nachrichten, 25-01-2017