Canyoning Tragenschulung in Oberösterreich

Für die nagelneue Canyoning-Trage (lagernd in Bad Ischl) wollte die Bergrettung Oberösterreich ihre Canyoningretter von Spezialisten einschulen lassen. Aus diesem Grund begaben sich Landesleiter, Martin Burger, und Rene Gmeiner, Canyoning-Retter der Bergrettung Vorarlberg nach Oberösterreich, da beide mit der wasserdichten Kong-Trage bereits viel Erfahrung haben und selbst von Spezialisten aus Italien, welche bei der Entwicklung der Trage mitwirkten, eingeschult wurden.

Die Trage hat einen grundlegenden Unterschied zu herkömmlichen Tragen: sie hat eine wasserdichte Hülle, welche einen Transport mitten durch die Wasserfälle, ohne aufwändige Seilbahnen ermöglicht. Der Verletzte bekommt dadurch nicht jedes Mal eine kalte Dusche, sondern bleibt trocken und kühlt somit nicht weiter aus. Der Abtransport direkt im Wasser macht den Ablauf wesentlich schneller. Das Luftvolumen im Inneren erzeugt genug Auftrieb, dass keine extra Schwimmkörper notwendig sind und sie ist die erste gebirgstaugliche Trage, die an die immer größer werdenden Menschen angepasst wurde, endlich mal eine Trage, in die auch große und schwerere Menschen reinpassen. Aufgrund der wasserdichten Hülle hätte diese Trage, vermutlich auch außerhalb des Canyons, bei Schneesturm oder Dauerregen, einen riesen Vorteil für einen Verletzten.

Zum Trockentraining ging es zuerst in den Klettergarten, wo Martin und Rene den Canyoning-Rettern die Basics zeigten: Ein-/Auspacken, Pflege des wasserdichten Reißverschlusses, Management der vielen Gurte, Vakuummatratze, Aufhängungen für händischen Transport, Aufhängungen für Schleifen und Seilbahn sowie Vorbereitung für Transport mit Hubschrauber.

Bis dahin war alles im Rahmen und entsprach dem normalen Vorstellungsvermögen. Überrascht wurden die Teilnehmer als sie das Ablassen über steile Wasserfälle über Körpersicherung probieren sollten, also nicht über feste Bohrhaken, sondern durch einen Retter per Körpersicherung!!!
Nach anfänglicher Skepsis stellten die Canyoningretter schließlich fest, dass ein paar wenige Reibungspunkte über Felsblöcke oder -kanten genügen, um sogar zwei Personen gleichzeitig abzulassen! Das machen die Italiener und Vorarlberger schon eine Weile. Natürlich verwendet man eingebohrte Stände, wenn sie passen. Aber, wo sie ungünstig platziert sind, kann man mit dieser rustikalen Technik sehr viel Zeit einsparen. Das fordert ein völlig neues und kreatives Betrachten der Abseilstationen!
Diese Techniken wurden am Sonntag im Hochsprang, einem der schönsten und längsten Canyons in Hinterstoder, trainiert. Für die tief eingeschnittene Schlucht, mit wenigen Notausstiegen, war der stabil heiße Tag genau passend.

Ein Zwischenfall vor ein paar Wochen am Stromboding Wasserfall, bei dem ein Kajaker zwischen den Wasserfällen in der Falle war, gab Anlass die Situation noch einmal genauer anzusehen. Zwei Plätze sollten im Ernstfall schnell erreicht werden. Dazu wurden zwei Ablass - Seilbahnen gebaut. Dabei gleitet der Retter am Seil hinaus, dann wird er in die Tiefe abgelassen, hängt den Verunfallten zu sich und beide werden wieder heraufgezogen. Diese Methode braucht man bei Situationen wie Hochwasser, bei denen man nicht mehr über den Wasserweg zum Verunfallten kommt.Die größte Schwierigkeit ist das erste Seil auf die andere Seite zu bekommen. Die Idee mit Clipstick auf den mittleren Block zu gelangen, funktionierte mangels Haken nicht so gut, aber mit der Wurfleine konnte der Fluss überwunden werden. Mit nur 9 Mann konnte recht schnell zwei gut funktionierende Seilbahnen aufgebaut und angestrebte Punkte im Fluss erreicht werden.

Aller besten Dank an Martin und Rene für die höchst interessante und lehrreiche Schulung. Auch Danke für das aktive Mitwirken an alle Canyoning-Retter!

Canyoning-Referent Oberösterreich
Heli Steinmassl